Ehrenvorsitzender: Helmut Winter
30 Jahre Geschichtsverein – 40 Jahre
Interessengemeinschaft für Heimatgeschichte
Die Ortsgeschichte von Dettingen und Großwelzheim wird
lebendig
Immer wieder machen Mitglieder und Helfer des
Geschichtsvereins bei Museumsführungen und Ausstellungen im Heimatmuseum die
gleiche Erfahrung: „Das hätten wir nicht gedacht!“ sagen Museumsbesucher voller
Staunen und Lob über die Präsentation der lokalen und regionalen Geschichte im
Karlsteiner Heimatmuseum.
Dabei hat man in Dettingen und Großwelzheim im Vergleich
zu anderen Gemeinden, deren Geschichts-, Kunst- und Heimatvereine meist auf eine
längere Tradition des Sammelns und der Aufarbeitung der Geschichte verweisen
können, sehr spät mit der Geschichtsforschung begonnen. Erst 1966 fanden sich in
Dettingen auf Anregung von Alois Hommrich einige
wenige Personen zusammen, um eine Interessengemeinschaft für Heimatgeschichte zu
gründen. Zur Mitarbeit bereit waren neben dem Initiator damals: Heinz Herzog,
Emil Hofmann, Edwin Hussi, Emil Kolb, Ute Lang, Fritz
Ruf und Helmut Winter. Letzterer übernahm 1970 die Leitung dieser
Interessengemeinschaft. Bescheiden waren die ersten Erfolge. Mit Unterstützung
der Gemeinde richtete man 1971 eine Heimatstube ein, in der erstmals Funde aus
der Vor- und Frühgeschichte, Pläne von der Schlacht bei Dettingen, Exponate aus
der Kirchengeschichte und Dokumente der Heimatvertriebenen aus dem Graslitzer Raum ausgestellt wurden. Heinrich Lang und Martin
Hofmann haben sich mit ihrem handwerklichen Können dabei verdient gemacht. Die
Schaffung des Dettinger Wappens wurde mit eigenen Vorschlägen angeregt.
Flurdenkmäler und Wegkreuze wurden errichtet. Mit Dia-Reihen, Filmen und
Vorträgen machte man mit wichtigen Ereignissen der Ortsgeschichte aus
Vergangenheit und Gegenwart vertraut. Eine erste Bewährungsprobe war die
Aufführung des „Dettinger Te Deums“ im Jahre 1968, die
von der Interessengemeinschaft für Heimatgeschichte mit einer großen Ausstellung
zur Schlacht bei Dettingen und zu Händels Werk begleitet wurde. In Großwelzheim
war der spätere Schulamtsdirektor Edmund Rücker spiritus rector der
Geschichtsforschung. Mit seiner Großwelzheimer Chronik zur 1200-Jahr-Feier
bereitete er den enormen Fundus an geschichtlichen Quellen auf. Dettingens erste
Chronik entstand unter Mithilfe der Heimatforscher 1975 zur 1000-Jahr-Feier. Für
beide Orte wurden sogenannte „Heimatfilme“ gedreht,
die geschichtliche Ereignisse und den Lebens- und Arbeitsalltag filmisch
dokumentierten. Eine Arbeitsgruppe hielt den untergehenden Dialekt
fest. Am 23. September 1977 wagte die Interessengemeinschaft für
Heimatgeschichte dann einen wichtigen Schritt: es kam zur Gründung des Karlsteiner Geschichtsvereins. Die Gründungsmitglieder aus
Dettingen und Großwelzheim wählten Helmut Winter zum 1. Vorsitzenden und Georg
Hubert zum 2. Vorsitzenden. Ria Scherer wurde Schriftführerin, Helmut Nimbler Pressewart, Edwin Stenger
Schatzmeister, Winfried Knichelmann Kulturwart, Edwin
Hussi Leiter des Heimatmuseums und Almut Köbe Schriftleiterin. In der Folge entstanden die „Karlsteiner Geschichtsblätter“, die es bis heute bei einer
Auflage von jeweils etwa 1000 Exemplaren auf 9 Ausgaben gebracht haben.
Dia-Vorträge und filmische Jahresrückblicke trugen vielfach zur Gestaltung von
Veranstaltungen der Ortsvereine bei. Vielfach übernahmen Mitglieder des
Geschichtsvereins die Erstellung von Jubiläumsschriften. Unvergessen auch das
Historienspiel und der Handwerkermarkt aus Anlass der Rathauseinweihung und der
Feier „10 Jahre Karlstein“.
Das Heimatmuseum wird
ausgebaut
Mit dem Umzug der Karlsteiner
Gemeindeverwaltung 1985 in das neu erbaute Rathaus wurden die Räume in der
ehemaligen Dettinger Volksschule für eine Nutzung frei. Zug und Zug wurden unter
Hinzuziehung von Fachleuten, bei enormer Eigenleistung und mit großer
finanzieller Unterstützung der politischen Gemeinde, die Abteilungen „Geologie“
(verantwortlich Erwin Brenneis), „Vor und
Frühgeschichte“, „Gräberstraße“, „Schlacht bei Dettingen“, „Mittelalter“, „Altes
Dorf und Handwerk“, „Eisenbahn“ und „Bürgerliches Wohnen um 1900“ eröffnet.
Jüngeren Datums sind die Abteilung „Kinderwelten“ und die erst jüngst eröffnete
Mit-mach-Abteilung „Steinzeit“, in der Kinder und
Jugendliche an vielen Stationen im eigenen Tun das Leben der Steinzeit-Menschen
„begreifen“. So kann man im Karlsteiner Heimatmuseum
einen Gang durch die Jahrhunderte machen. Vereins- und Gruppenführung sind auf
Anmeldung jederzeit möglich. Die Öffnungszeiten werden jeweils über die Presse
bekannt gegeben.
Das „Jahr der lebendigen Geschichte“, 1993 zum
250jährigen Jahrtag der Schlacht bei Dettingen begangen, wurde vom
Geschichtsverein ideenreich und tatkräftig unterstützt. Ebenso die Feier zum
25jährigen Bestehen der Gemeinde Karlstein (1970), bei denen der
Geschichtsverein bei dem Stationenspiel zur
Ortsgeschichte half.
Die Betreuung des Heimatmuseums und die Einsatzplanung
für Helferinnen und Helfer lag viele Jahre vor allem in
den Händen des Ehepaares Rosel und Karlheinz Schimmel. Verantwortlich dafür ist
jetzt Karl-Heinz Liedel.
Neue
Initiativen
Ein neues Vorhaben des Geschichtsvereins ist die
Ausbildung von Helferinnen und Helfern in der Mitmach-Abteilung „Steinzeit“, die
wesentlich unter Mitwirkung der Hauptschule Karlstein und dem Klassenlehrer
Franz Manske eingerichtet wurde. Notwendig ist die
Schulung von Lehrkräften und Helfern, weil es hier um Flechten,
Pfeilherstellung, Weben, Speisezubereitung, Steinbohren geht, kurzum um
Tätigkeiten, die in der Steinzeit beherrscht werden mussten.
Eine Reihe von Mitgliedern, darunter Harald Weis, Ewald
Knichelmann, Gundolf Dahlheimer und Gerhard Faller, beschäftigt sich auch mit Familien-
und Ahnenforschung. Die Grundlagen für die Familienforschung hah Heinz Herzog mit der Abschrift der Kirchenbücher ab 1650
gelegt.
Entwickelt werden soll in Kürze ein museumsdidaktisches
Konzept für die geplante Abteilung „Handwerk und Industrie“ und die Geschichte
des 20. Jahrhunderts, die später einmal in den Erdgeschoßräumen der alten Schule
untergebracht werden soll.
Ergänzung, Ordnung und Inventarisierung der reichen
Foto-Sammlung sind ein weiteres Aufgabengebiet für Karl-Heinz Liedel, das Ehepaar Schimmel und Erwin Brenneis..
Vorsitz und
Nachwuchs
Wie viele Geschichts- und Heimatvereine, die auf
ehrenamtliche Arbeit angewiesen sind und keine spektakulären Angebote im Wellness-Stil oder als Vergnügungspark-Ersatz machen können,
mangelt es dem Karlsteiner Geschichtsverein, der heute
etwa 80 Mitglieder zählt, an jungen Mitgliedern, die an der detektivischen
Arbeit des Forschens oder an der praktischen Erkundung des Lebens früherer
Epochen interessiert sind.
An der Orts- und Regionalgeschichte interessierte Ortsbürgerinnen und Ortsbürger
sind zur Mitgliedschaft im Geschichtsverein Karlstein herzlich eingeladen.